In Zusammenarbeit mit biopresent.de präsentiert Schimmelcam.de die Schimmelinfos.

Basics
1. Weder Pflanze noch Tier
2. Der ewige Kreis
3. Schimmelpilze beobachten und erkennen
4. Dem Verderben keine Chance
5. Gefahr aus dem Pilz
6. Biotechnologie - Jahrtausende alt
7. Mikroorganismen gegen Mikroorganismen
8. Der Pilz als Parasit
9. Literatur


1. Weder Pflanze noch Tier

Die Biologie der Pilze

(Pilz, griechisch: mykes; lateinisch: fungus)

Kreative Kosmopoliten

Pilze kommen fast überall auf der Welt vor – auch an extremen Standorten, beispielsweise in sauren Moorböden, reinen Kalkböden, in aquatischen Ökosystemen oder in Wüsten. Weil sie keine homogene Verwandtschaftsgruppe sind, gibt es Pilze in großer Formenvielfalt, sowohl einzellige, als auch mehrzellige Arten. Nur die Niederen Pilze bilden bewegliche Stadien, die man Zoosporen nennt. Sie besitzen Geißeln, das sind schwanzartige Anhängsel, die der Fortbewegung dienen.

Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere, sondern bilden einen eigenen Zweig im Stammbaum der Organismen. Sie besitzen kein Chlorophyll und können daher nicht wie die grünen Pflanzen Kohlendioxid aus der Luft zum Wachstum verwerten, sondern sind auf organische Kohlenstoffquellen angewiesen.

Pilzzellen haben einen echten Zellkern und gehören daher wie die Tiere und Pflanzen zu den Eukaryonten. Bakterien indes besitzen keinen echten Zellkern. Sie gehören zu den Prokaryonten. Die Zellwände der Pilze enthalten im Gegensatz zu Pflanzen Chitin, einen Baustoff der auch im Exoskelett von Insekten zu finden ist.

Vermehrung und Fortpflanzung

Etwa 99 Prozent aller Pilzarten bilden ein Zellgeflecht, das man Mycel nennt. Es besteht aus dünnen Zellfäden (Hyphen). Mit Hilfe dieser feinen Hyphen erreicht der Pilz Nährstoffe aus feinsten Bodenporen, die für Pflanzenwurzeln nicht erreichbar sind. Bei den meisten Pilzen ist jeder Teil des Mycels wachstumsfähig. Ein kleines Mycelstück kann auf einem neuen Nährboden weiter wachsen. Daneben gibt es etwa 600 bekannte Pilzarten mit hefeartigem Wachstum. Diese vermehren sich durch Sprossung und bilden wie Bakterien Zellkolonien.

Die Strukturen und Mechanismen der Fortpflanzung sind äußerst vielgestaltig. Man unterscheidet prinzipiell die vegetative (ungeschlechtliche) Reproduktion und die sexuelle (geschlechtliche) Reproduktion.

Vegetativ vermehren sich die meisten Pilze durch Sporenbildung. Die Sporen werden mit dem Wind oder durch Tiere verbreitet und können an einem geeigneten Ort keimen und zu einem neuen Mycel auswachsen.

Bei der sexuellen Fortpflanzung findet eine Vereinigung der Zellkerne zweier Elternzellen statt. Dazu verschmelzen zunächst die Zellen, anschließend die Zellkerne, bevor die Chromosomenzahl während der Bildung der Sporen wieder reduziert wird. Diese drei Vorgänge folgen bei einigen Pilzen unmittelbar nacheinander, bei anderen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Der Gießkannenschimmel Aspergillus nidulans, beispielsweise, dient den Forschern als Modellorganismus. Er kann sich sexuell und asexuell (vegetativ) vermehren. Eine einzige Spore wächst innerhalb von 48 Stunden zu einer centgroßen Kolonie, die erneut Millionen von Sporen bildet. Vegetative Sporen bildet der Pilz nach Kontakt mit Luft und Licht, Ascosporen (Dauerform) im Dunkeln. Die Regulation der Sporenbildung wird molekulargenetisch intensiv erforscht.

Von vielen Pilzen ist nur die vegetative Vermehrungsform bekannt. Diese Pilze hat man daher Fungi imperfecti genannt. Zu ihnen gehören auch bekannte Schimmelpilze der Gattungen Aspergillus, Penicillium und Botrytis.

Von einigen wurden später die sexuellen Vermehrungsstadien entdeckt.  Daher existieren für einen Organismus zum Teil verschiedene Bezeichnungen für die vegetative und die sexuelle Form.

Pilze auf Nahrungssuche

Nach ihrer Ernährungsweise teilt man Pilze in drei Gruppen ein:

Saprophyten leben von abgestorbenem organischem Material und sind an deren Zersetzung beteiligt. Zu dieser Gruppe gehören auch die Schimmelpilze.

Parasiten stehen zeitweise oder dauernd in direktem Kontakt mit einem Wirtsorganismus, von dem der Pilz lebt und den er schädigt oder sogar abtötet. Hierzu gehören unter anderem Hautpilze und Erreger von Pflanzenkrankheiten.

Symbionten bilden mit artfremden Organismen Lebensgemeinschaften zum gegenseitigen Nutzen, zum Beispiel Flechten, die aus Pilzen und Algen bestehen. Viele Waldpilze bilden eine Wurzelsymbiose mit Bäumen, die Mykorrhiza.

Pilze als Nahrung

Zu den bekanntesten Speisepilzen gehören der Steinpilz, der Pfifferling und der Champignon. Im Handel findet man fast ausschließlich Zuchtchampignons. Die meisten anderen Speisepilze stammen aus dem Wald, weil sie in Symbiose mit Baumwurzeln leben (Mykorrhiza) – eine Lebensgemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen. Von diesen Pilzen isst man nur die Fruchtkörper, der größte Teil des Pilzes lebt als unterirdisches Zellgeflecht.

Neben den genannten Arten gibt es eine Vielzahl äußerst schmackhafter Pilze in unseren Wäldern. Für das Sammeln von Pilzen gibt es viele Regeln, von denen wir nachfolgend einige wichtige nennen:

1. Sammeln Sie keine vom Aussterben bedrohten oder gefährdeten Arten.

2. Essen Sie nur Pilze, die Sie mit Sicherheit als Speisepilze erkannt oder bestimmt haben. Sammeln Sie daher den ganzen Fruchtkörper mit der Stielbasis, um alle Bestimmungsmerkmale berücksichtigen zu können.

3. Sammeln Sie nur festfleischige Pilze und verzehren Sie sie innerhalb von 24 Stunden. Bei Verwesung und Schimmelbefall können Giftstoffe gebildet werden.

4. Essen Sie nicht zu viele Pilze. Sie sind schwer verdaulich und können Beschwerden verursachen.

5. Es ist empfehlenswert jeweils ein Exemplar der für die Mahlzeit verwendeten Pilze aufzubewahren, um es bei eventuellen Vergiftungen identifizieren zu können.

Im Buchhandel findet sich eine Vielzahl an Bestimmungsliteratur und Pilzkochbücher. Örtliche Vereine und Volkshochschulen bieten Bestimmungskurse und Exkursionen an. Vielerorts stehen den Sammlern Pilzberater zur Verfügung.

© Philipp Rabus / biopresent.de

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